Bei der Schneeräumung werden Prioritäten gesetzt

Gernot Knödler schreibt in der taz über den Hamburger Winterdienst: Radwege kommen zuletzt dran

150 Kilometer besonders wichtige Radwege lässt der Senat freibürsten und streuen. Anderswo empfiehlt der ADFC, auf die geräumte Fahrbahn auszuweichen.

Schön, dass es offensichtlich einen Plan gibt, 150 Kilometer „besonders wichtiger Radwege“ im Winter zu räumen. Sofort stellt sich allerdings die Frage, wer diese Klassifizierung vorgenommen hat — schließlich scheinen die 150 Kilometer recht gut versteckt, werden in Hamburg doch noch nicht einmal die Radwege längs der wichtigsten Hauptverkehrsstraßen einigermaßen geräumt, von den speziell der Radverkehrsförderung vermachten Velorouten mal ganz zu schweigen.

Die Begründung lautete wenigstens vor einiger Zeit noch, im Winter fahre eh niemand mit dem Rad, womit der Winterdienst auf Radwegen entbehrlich wäre und die Kosten ohnehin in keinem Verhältnis zum Nutzen stünden. Umgekehrt ließe sich deutlich ehrlicher argumentieren, dass ein funktionierender Winterdienst auf Radwegen auch im Winter den Radverkehrsanteil deutlich über Null hielte. Wie so oft ist Kopenhagen das beste Beispiel: dort werden zuerst die Radwege von der weißen Pracht befreit, denn auch im Winter ist ein wesentlicher Teil auf zwei Rädern unterwegs, während die südlichen Nachbarn der Dänen ab dem ersten Zentimeter Schnee fluchend im Auto sitzen.

Die Hamburger Räumungsprobleme sind zum größten Teil allerdings auch hausgemacht. Der Hamburger Standardradweg misst nicht einmal einen Meter, führt an parkenden Autos vorbei, wird von Pollern eingeengt, von Ampelmasten und Verkehrsschildern zerteilt: wo noch nicht einmal ein Fahrrad vernünftig fahren kann, ist für ein Räumfahrzeug ohnehin kein Platz. Das führt dazu, dass just in der Hamburger Innenstadt, die sich aufgrund der kürzeren Wege noch am ehesten zum Radeln anbietet, aufgrund der mittelmäßigen Radwege überhaupt nicht geräumt wird und stattdessen sämtlicher Schnee von der Fahrbahn auf dem Radweg abgelegt wird.

Und selbst wenn denn jenseits der Fahrbahn geräumt wird, darf dort noch lange nicht geradelt werden. Die knappen anderthalb Meter, die ein Räumfahrzeug freischaufelt, tanzen wellenförmig zwischen Geh- und Radweg hin und her, was einerseits dazu führt, dass Radfahrer beinahe zur Gehwegradelei gezwungen werden, andererseits aber auch auf dem Radweg mit Fußgängern in Konflikt geraten, die den schmalen Streifen ebenso berechtigt nutzen wollen.

Insofern stellt sich tatsächlich die Frage, ob der Hamburger Winterdienst für Radwege wirklich mehr zu bieten hat als schöne Worte, denn im momentanen Zustand könnte man sich den Aufwand auch einfach sparen: wenn bloß alle paar hundert Meter und nur in jeder dritten Straße der Radweg wenigstens ansatzweise geräumt ist, hilft das dem Radfahrer natürlich nicht weiter, sofern er denn nicht ständig absteigen und schieben möchte. So entspricht das Radwege-Räumungs-Netz größtenteils dem Radwege-Netz: lieblos, gefährlich und voller Lücken.

Eine Alternative ist auch im Winter die in der Regel vorbildlich geräumte Fahrbahn. Das hingegen tolerieren Kraftfahrer im Winter leider überhaupt nicht, denn für die meisten Kraftfahrer scheint es unvorstellbar zu sein, dass mit etwas Vorbereitung das winterliche Radfahren gar nicht mal besonders gefährlich sein muss, schon gar nicht gefährlicher als die morgendliche Rutschpartie auf vier Rädern durch das mittelmäßig geräumte Wohngebiet. Was im Sommer der angeblich bestens ausgebaute und breite Radweg ist, ähnelt im Winter durch die Windschutzscheibe offensichtlich dem leidlich geräumten Rad- oder Gehweg jenseits der Fahrbahn.

Drüben bei hamburgize gibt es eine ganze Masse von Fotos winterlicher Hamburger Radwege: Unerfreulich: Hamburgs Winterdienst Und in Berlin sieht es offenbar ganz ähnlich aus: Kritik an Räumfahrzeugen auf Bürgersteigen – Dutzende Verletzte im Unfallkrankenhaus

13 Gedanken zu „Bei der Schneeräumung werden Prioritäten gesetzt

  1. Rolf Mastenhagen

    ich kann meine aussage, die ich ihnen auf die Mailbox gesprochen habe, gerne noch einmal wiederholen: wer bei diesem Wetter auf dem fahrrad fährt sollte sich dringend einweisen lassen. einen größeren unsinn kann ich mir kaum vorstellen. sie gefährden nicht nur sich sondern auch andere. ist ihnen das überhaupt klar?

    sie zeigen mit ihren texten täglich aufs neue dass sie ein rücksichtsloses arschloch ohne jeglichen verstand sind, aber selber ihnen hätte ich genügend hirn zugetraut, im winter das rad stehen zu lassen. hoffentlich haben sie ihren organspendeausweis dabei!

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      1. Montcerf

        Zumindest die von Rolf Mastenhagen behauptete Gefährdung anderer dürfte bei Wetter wie in den letzten Tagen beim Autofahren ungleich höher sein, als die beim Radfahren.

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  2. Kampfradler

    Zitat: “wer bei diesem Wetter auf dem fahrrad fährt sollte sich dringend einweisen lassen”. “sie gefährden nicht nur sich sondern auch andere. ist ihnen das überhaupt klar?” Zitat Ende.

    Verehrter Herr Masterhagen,
    trotz intensiven Grübelns fällt mir keine Situation ein, in der ich als Radfahrer “bei diesem Wetter” Andere gefährden soll. Natürlich nur dann nicht, wenn ich bei vereistem Radweg auf der Fahrbahn fahre und nicht auf den Gehweg ausweiche. Wären Sie bitte so freundlich, diese angebliche Gefährdung Anderer zu erklären? Wer sind eigentlich diese “Anderen”?

    Dass Sie sich “einen größeren Unsinn kaum vorstellen” können, gibt lediglich Auskunft über Ihre Fantasiearmut. Als Argument taugt Ihr Vorstellungsvermögen leider nicht.

    Was sollten Ihrer Ansicht nach FUSSGÄNGER bei “diesem Wetter” machen? In vielen Großstädten werden die Fußwege NICHT GERÄUMT, und das tage- und wochenlang! Man geht zum Teil auf reinem Eis. Sollten sich Fußgänger, die trotzdem auf diesen Gehwegen laufen (müssen) ebenfalls “einweisen lassen”? Wenn ja, würde mich Ihre Begründung interessieren. Wenn nicht, würde mich ebenfalls Ihre Begründung interessieren.

    Was halten Sie davon, wenn SIE sich einweisen lassen?

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  3. Rolf Mastenhagen

    ZITAT
    trotz intensiven Grübelns fällt mir keine Situation ein, in der ich als Radfahrer “bei diesem Wetter” Andere gefährden soll. Natürlich nur dann nicht, wenn ich bei vereistem Radweg auf der Fahrbahn fahre und nicht auf den Gehweg ausweiche. Wären Sie bitte so freundlich, diese angebliche Gefährdung Anderer zu erklären? Wer sind eigentlich diese “Anderen”?
    ZITATENDE

    ich werde mich nicht in diesem tonfall mit ihnen unterhalten. allerdings sei noch der hinweis erlaubt, das aus der ignoranz eines radweges auch ganz schnell nötigung werden kann wenn sie mit ihrem rad mitten auf der straße fahrend den verkehr blockieren. vielleicht denken sie das nächste mal daran das sie nicht alleine auf der straße sind und nehmen den radweg!

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    1. Fredmann

      Herr Mastenhagen, Sie dürfen mich gern überholen, wenn ich Ihnen auf der Fahrbahn zu langsam fahre, ich hindere Sie nicht daran. Sollte Ihnen das Überholen nicht möglich sein, weil Ihr Auto zu breit ist oder Ihnen andere Autos entgegen kommen, dann benutzen Sie doch bitte eine Straße mit begleitenden benutzungspflichtigen Radweg. Davon gibt es – jedenfalls in Hamburg – noch eine ganze Menge…
      Ich persönlich lehne es ab, langsamer auf einem Radweg unterwegs zu sein, damit Sie 10 Sekunden schneller am Ziel sind.

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    2. M_Net

      Keine Nötigung, sondern höchstrichterlich (vom BGH) bestätigtes Verhalten bei Radwegen, die aufgrund fehlenden Winterdienstes unbenutzbar sind. Wobei man an der Stelle auch einmal ein Lob an die Autofahrer aussprechen sollte: Die allermeisten Autofahrer reagieren auf das Fahrbahnradeln bei unbenutzbaren Radwegen verständnisvoll. Die Meinung, Radfahrer sollten bei solchen Bedingungen nicht fahrradfahren vertritt nur eine extreme Minderheit.

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  4. Kampfradler

    “In diesem Tonfall”? Herr Mastenhagen, welchen Tonfall meinen Sie? Ich finde meinen Text recht sachlich. Was man von IHREM Kommentar wiederum nicht behaupten kann: “wer bei diesem Wetter auf dem fahrrad fährt sollte sich dringend einweisen lassen”.

    Schade, dass Sie einer Antwort auf meine Fragen ausweichen. Fällt Ihnen wirklich nichts dazu ein?

    Zu Ihrer vermeintlichen “Nötigung”:

    1. Ich fahre auf dem Fahrrad nicht “mitten auf der Straße”, sondern so weit rechts, wie es meine Sicherheit erfordert. Wie kommen Sie darauf, dass es nicht so wäre?

    2. Wenn ich FAHRE, “blockiere” ich keinen Verkehr. “Blockiert” denn ein fahrendes Auto den Verkehr? Ich kenne nur stehende Autos, die den Verkehr blockieren!

    3. Ich BIN der Verkehr! Außerdem gibt es noch andere Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer.

    4. Danke für den Hinweis, dass ich nicht alleine auf der Straße bin! Hoffentlich denken auch die Autofahrer daran, dass außer ihnen auch noch andere Fahrzeugführer auf der FAHRBAHN fahren. Dort gehören Fahrzeuge nämlich hin (§ 2 StVO). Daran sollten SIE vielleicht mal denken!

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  5. Kopfschüttler

    ja kein wunder natürlcih wird die STARSe zuerst geräumt, da fahren schließlch die autofahrer lang die auch steuern zahlen oder zahlt ihr für euer fahrrad auch steuern?? das ist wohl die tüpische radfarhrer mäntalität nichts bezahlen aber trotzdem foprderungen stellen na hezlichen glückwunsch zahlt erstmal steuern für euren scheiß und benutzt die radwwege

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    1. Andreas Fincke

      Tja lieber Herr Kopfschüttler,

      ihre Meinung hört man öfter, leider wird es damit auch nicht richtiger. Den die “alte Oma” und der Fahrradfahrer bezahlen auch die Straßenräumung für Ihren PKW.

      Ok, mal ohne Ironie, innerhalb einer Gemeindegrenze zahlt die Gemeinde für die Schneeräumung. Dieser Topf finanziert sich in erster Linie über Gewerbe- und Grundsteuer. Sicher tragen auch Sie als PKW Besitzer auch ordentlich zum Gewerbesteueraufkommen bei, aber nur wenn Sie auch brav im Ort tanken und auch nur die lokale Werkstatt aufsuchen, und NICHT 10 km weiter zu billigeren in der Nachbargemeinde fahren!

      Von den ganzen Steuern, die sonst auf dem Benzin sind, hat die Gemeinde erstmal nichts, und auch Ihre KFZ Steuer dient NICHT für den Winterdienst, die braucht ein Land für wichtigeres. Vorallem da Steuern den Vorteil gegenüber Gebühren haben, das sie keinem Verwendungszweck unterliegen. Damit kann man zum Beispiel Schwimbäder bauen, oder auch Flughäfen, oder wie derzeit in Berlin auch nicht.

      Die zweite Haupteinnahme Quelle einer Gemeinde ist nun mal die Grundsteuer. Wenn Sie die nicht kennen, macht nichts, dann zahlen Sie dieses über Ihre Mietnebenkosten. Bei mir wird jene allerdings quartalsweise vom Konto abgebucht.

      Sie zahlen also viele lustige Steuern für viele lustige Sachen, aber für den eigendlichen Winterdienst zahlt der Radfahrer genauso viel, wie die alte Oma, die sich im Winter nicht vor die Tür und der PKW Lenker, der von unserem Staats- und Gemeindewesen weniger Ahnung hat, als von den Verkehrsregeln.

      Nicht aufregen, nachlesen und auch mal nachfragen. Schont den Blutdruck und bringt eine höhere Lebensqualität mit sich. Und ja, vieles im Deutschen Lande ist Stuß. Ist aber trotzdem so.

      Gruß
      Andreas
      P.S.: Beim Nachschlagen legen Sie sich eine Packung Asperin parat, und dazu eine große heiße Kanne Tee, Sie werden es brauchten.

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      1. Kampfradler

        Lieber Andreas, das ist vergebliche Liebesmüh. Unser “Kopfschüttler” dürfte die meiste Zeit damit verbringen, sein Geschreibsel so zu gestalten, dass es (seiner Meinung nach) “trendy” (also dümmlich) ist. Da bleibt kaum Zeit für Inhalte. Auch wird er noch nichts von der Studie der TU Leipzig gehört haben, nach der das Autofahren in Deutschland pro Auto(!) mit rund 2000,- Euro subventioniert wird.

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  6. Andreas Fincke

    Es gibt mehrere Gründe, im Winder Fahrrad zu fahren. Einer kommt von unerem Gesetzgeber: DIe etwas überzogende Winderreifen Pflicht. Leider gibt es nicht für alle Roller Winterreifen. Obwohl ich auf einem Roller bei eine Sturz durch Schutzkleidung und auch Fußraum besser geschützt bin, als auf einen Fahrrad.
    Was soll’s, es ist Wunsch unseres Bundestages, das halt die BG zahlt.

    Ein anderer Grund, ich komme aus Köln: selbt im Winder ist ein Fahrrad schneller, als der ÖPNV. Und auch staubedingt im Berufsverkehr gut 3x schneller als ein KFZ. Das Überqueren des Rhein ( Fluß, der Köln in 2 Teile trennt ) kostet dann gute 30 min, teilweise bis zu 60 min extra.

    Davon abgesehen, wozu brauche ich ein PKW, um EINE Person zum Arbeitsplatz zu bringen, bei einer Entfernung von nur 10km ?
    Ich würde gerne Radwege benutzen, und tue es auch bei Verfügbarkeit. Nur, warum soll ich bei der nächsten Baustelle wieder absteigen ? Entweder ich fahre, oder ich laufe. Auch werden zu oft, vor Gyrosbuden die Radwege als Bedarfshalte- bzw Parkplätze angesehen. Ich halte da nicht an und schiebe mal 30 Meter, dann fahre ich den Block auf der Straße. Mein normales Reise Tempo liegt bei 30km/h, ich halte bei Ampeln, aber nicht für diese künstlichen Verkehrshindernisse.

    Wir fahren nicht Rad, um mal 500m zum Einkaufen zu kommen, die Strecken sind weiter. Etwas, was mache hier nicht verstehen können. Und ein Teil der PKW fahrer sollte doch noch mal die Fahrschule besuchen, derzeit würden sie in der Theorie durchfallen. Sie erfinden im Brustton der Überzeugung eine Straßenverkehrsordnung, die mit der Rechtsprechung schon lange nichts mehr zu tun hat. Wie hier kurzlich ein PKW Fahrer, der sich aufregte, das ich in einer 30km/h Zone den Radweg nicht befuhr, und die Straße blockierte. – Wer das auch nicht versteht, möchte bitte mal bein ADAC Anwalt nachfragen, Stichwort Verkehrsberuhigte Zone -

    Gruß
    Andreas

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