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„Schon gecheckt“ erreicht keine Kraftfahrer

Die Pressemitteilung der Polizei ist voll des Lobes auf die vergangene Hamburger Fahrrad-Sicherheitskampagne „schon gecheckt“. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, wird der Erfolg bereits in der Überschrift angepriesen: Fahrrad-Sicherheitsaktion “Schon gecheckt” – ein voller Erfolg

Allerdings lässt schon die Einleitung Zweifel an der Aktion aufkommen:

Die diesjährige Fahrrad-Sicherheitsaktion “Schon gecheckt” war ein voller Erfolg. Es wurden insgesamt 6.426 Fahrräder überprüft.

Da kommt schnell die Vermutung auf, es würden lediglich Fahrradfahrer kontrolliert, wie es die Polizei gerne macht, um die Verkehrssicherheit der Radfahrer zu erhöhen. Frei nach dem Motto: Die funktionierende Klingel wird schon irgendwie vor dem Rechtsabbiegerunfall schützen. Und tatsächlich:

Die Aktion verfolgt das Ziel, die Verkehrsunfallzahlen mit Radfahrerbeteiligung zu senken. Die Initiatoren der Aktion möchten erreichen, dass Fahrräder in einem verkehrssicheren Zustand sind und werben außerdem für noch mehr Verständnis und gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr. Weiterhin suchen Polizeibeamte gezielt das Gespräch mit Fahrradfahrern.

Die Verkehrsunfallzahlen mit Radfahrerbeteiligung werden mit solchen repressiven Aktionen sicherlich gesenkt, weil dadurch die Radfahrer aus dem Verkehr vergrämt werden. Das soll nicht heißen, die Fahrt mit einem nicht verkehrssicheren Rad wäre in irgendeiner Art gutzuheißen, nein, auf keinen Fall, aber das nicht verkehrssichere Rad ist wenigstens laut der Unfallstatistik eher selten Unfallursache. Tatsächlich sind nur wenige Unfälle das Resultat nicht zupackender Bremsen und sogar die nicht leuchtende Beleuchtung, die untrennbar mit dem Begriff des Kampfradlers verschmolzen scheint, ist selten unfallursächlich. Das Problem ist eher das Verhalten des Menschen, der das Fahrrad lenkt — nicht zu vergessen das Verhalten des Menschen, der womöglich nebenan ein Kraftfahrzeug führt.

Insofern schrammt die Hamburger Polizei jedenfalls nicht komplett am Ziel vorbei, wenn sie das Gespräch mit Radfahrern sucht. Bleibt nur die Frage, welche Art von Rücksicht von Radfahrern denn eingefordert werden soll. Als klassische rücksichtslose Aktionen des Radfahrers gilt unter anderem das Fahrbahnradeln links eines Radweges oder das Gehwegradeln. Da hilft’s dem Radfahrer allerdings kaum mit Rücksicht, denn ersteres ist erlaubt und letzteres verboten. Wenn schon Gehwegradeln, dann wenigstens mit Rücksicht, das wird kaum die Botschaft sein, die die Hamburger Polizei an den Mann bringen wollte. Vorstellbar wäre eher, man möge doch bitte aus Rücksicht auf die Kraftfahrer den Radweg befahren, aber das scheint in Hamburg, das mittlerweile die Unzulänglichkeiten seiner Radwege erkannt hat, auch eher unwahrscheinlich.

Und sonst so? Rücksicht auf den Geisterradler, der ohne Beleuchtung auf der falschen Straßenseite radelt? Rücksicht auf die parkenden Kraftfahrzeuge auf Radverkehrsanlagen, die ja unbestritten auch irgendwo parken müssen? Rücksicht auf die abbiegenden Kraftfahrzeugführer, die sich nicht zum Schulterblick hinreißen können? Es wäre tatsächlich interessant zu wissen, welche konkreten Beispiele der Rücksichtnahme sich die Polizei hier vorstellt.

Immerhin wurde auch an die Kraftfahrer gedacht — allerdings offenbar nur in der Pressemitteilung:

Die Polizei Hamburg appelliert erneut an Autofahrer und Radfahrer, gegenseitig aufeinander Rücksicht zu nehmen und sich über die geltenden Vorschriften bei der Benutzung des Radweges bzw. der Fahrbahn zu informieren. Dazu gehört unter anderem, dass es Radfahrern auf der Fahrbahn erlaubt ist, rechts an stehenden Fahrzeugen vorbeizufahren.

Viel interessanter als das Vorbeifahren rechts stehender Fahrzeuge ist doch eher § 2 Abs. 4 StVO, der in der Fahrgastzelle meistens unbekannt ist und zumindest am Stammtisch für die größte Empörung sorgt. Allerdings ist das sowieso schon fast egal: Die Kraftfahrer, die an knapp der Hälfte der Fahrradunfälle nicht unschuldig sind, blieben bei dieser Sicherheitsaktion zumindest von der Polizei unbehelligt und mussten ihre Informationen aus Pressemitteilungen und vereinzelten Zeitungsberichten zusammensuchen. Nicht einmal der ADAC Hansa als Mitinitiator dieser Kampagne konnte in der ADAC motorwelt etwas Platz für die Verkehrsregeln freischaufeln — schade eigentlich. Die schon-gecheckt-Plakate am Straßenrand dürften durch die Windschutzscheibe kaum aufgefallen sein.

Unbenommen von dieser Bewertung sollen die übrigen Aktionen sein, die während der letzten zwei Wochen veranstaltet wurden — allerdings bleibt auch da zweifelhaft, dass dem Kraftfahrer verständlich wurde, die Radfahrer auf seiner Fahrbahn neben dem nunmehr nicht mehr benutzungspflichtigen Radweg zu tolerieren. Es scheint beinahe so, als müsste die nächste Verkehrssicherheitsaktion für Radfahrer erst einmal die Kraftfahrer ansprechen.

„Radwege sind gefährlich“

Die richtigen Fachbegriffe trifft René Filippek leider nicht immer, trotzdem liest sich das Interview in der taz recht interessant: „Radwege sind gefährlich“

Die neue Straßenverkehrsordnung tritt in Kraft. René Filippek vom ADFC erklärt, wieso Radfahrer bald seltener auf Radwegen zu finden sein werden.

Krieg auf der Straße: „Wir haben ihn nicht angefangen“

Heute in der ZEIT: “Jeder Radfahrer muss ab und zu kampfradeln”

Jens Siemering und Mehmed Dechert gestehen: Wir sind Kampfradler. Die einseitig auf Autos ausgerichtete Verkehrspolitik zwinge sie dazu, sagen sie im Interview.

Bei dem Interview mit den beiden Kampfradlern wird leider das Thema mit den benutzungspflichtigen Radwegen falsch wiedergegeben — man weiß leider nicht, ob die feine Differenzierung bezüglich benutzungspflichtiger Radwege erst bei der Verschriftlichung des Interviews entfallen ist oder ob den beiden Kampfradlern die Straßenverkehrs-Ordnung dahingehend unbekannt ist, auf jeden Fall sorgen leider solche Kleinigkeiten bei der nächsten Konfrontation auf der Straße womöglich wieder für Missverständnisse.

In den momentan 302 Kommentaren sind die Missverständnisse auf jeden Fall schon einmal angekommen: dort finden sich die üblichen, nicht lesenswerten Weisheiten aus der Fahrgastzelle.

Fahrradklima-Test: „Wie fahrradfreundlich ist ihre Stadt?“

Der ADFC ruft zur Teilnahme am diesjährigen Fahrradklima-Test auf: ADFC startet neuen Fahrradklima-Test

Mit 27 Fragen in fünf Kategorien soll ermittelt werden, wie es um den Radverkehr in deutschen Städten bestellt ist. Von Interesse ist unter anderem die angebotene Radverkehrsinfrastruktur, das Verhalten der Kraftfahrer und sogar die Berichterstattung: wird das Radfahren allenfalls als gefährlich und Kampfradelei dargestellt oder werden auch positiv gestimmte Artikel veröffentlicht? Die Auswertung erfolgt gruppiert nach der angegebenen Postleitzahl.

Beim letzten Fahrradklima-Test, der vor knapp sieben Jahren durchgeführt wurde, landete Hamburg mit einer Note von 4,44 auf dem 28. und letzten Platz bei den Städten über 200.000 Einwohnern — für dieses Jahr wird ein ähnliches Ergebnis erwartet, wobei sich Berlin vermutlich nach oben hin von seiner 4,09 vom 20. Platz verabschieden wird. Als Vorbilder bei den Großstädten galten damals Münster, Kiel und Oberhausen.

Velo 2010: die Keksrunde bröckelt

„Wer vom Auto auf das Fahrrad umsteigt, fördert nicht nur die eigene Gesundheit, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag für die Umwelt und für die Entlastung des innerstädtischen Verkehrs“, begrüßt der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers die Besucher der Velo-2010-Webseite und man mag sich gar nicht so richtig vorstellen, dass der Präsident, der auf dem Foto doch recht ernst schaut, selbst regelmäßig auf dem Rad sitzt.

Eigentlich war Velo 2010 gar keine schlechte Idee: verschiedene Institutionen berieten miteinander, wie der Radverkehr in Köln gesichert und gefördert werden könne. So richtig funktioniert hat das allerdings nie, präsent war innerhalb der Runde vor allem die Polizei, die Velo 2010 offenbar mehr als Sprachrohr verstand, um geradezu gebetsmühlenartig für Fahrradhelme zu werben und Radfahrer indirekt in die Opferrolle zu drängen. Die Unfallberichte, mittlerweile zwangsläufig von der Polizei geschrieben, denn Fahrradvertreter finden sich kaum noch in der Runde, sind für den radfahrenden Leser schwer zu verdauen, weniger wegen der dort dargestellten Unfallhergänge als viel mehr der Schlüsse wegen, die die Autoren aus dem Unfallgeschehen ziehen.

Trägt der Radfahrer einen Helm, so heißt es:

Dank des getragenen Fahrradhelmes konnten schwerere Verletzungen vermieden werden.

Wenn der Helm fehlt, steht stattdessen dort:

Das Kind trug zum Unfallzeitpunkt keinen Fahrradhelm.

Manchmal gibt es auch kluge Ratschläge wie:

Fahrzeugführer sind vor Einfahrt in Kreisverkehre verpflichtet, die Vorfahrt zu beachten.

Oder allgemeiner:

Fahrzeugführer sind verpflichtet, vorfahrtberechtigte Radfahrer zu beachten.

Schön — wer das bislang nicht wusste, sollte wohl keinesfalls am Straßenverkehr teilnehmen. Fährt ein Radfahrer nicht auf dem Radweg um einen Kreisverkehrs herum, weil Radwege an Kreisverkehren fast immer eine außerordentliche Gefahrenstelle darstellen, heißt es lapidar:

Vollständig um den Kreisverkehr herum befindet sich ein benutzungspflichtiger und entsprechend ausgeschilderter Radweg. Gleichwohl gilt die Vorfahrtregel unabhängig von der eventuellen Benutzung eines vorhandenen Radweges.

Und immer wieder der Klassiker:

Auch Radfahrer sollten an Kreuzungen auf abbiegende Fahrzeuge achten und zu ihrer eigenen Sicherheit auf ihren Vorrang verzichten!

Natürlich sind die Unfallberichte samt der Schlussfolgerungen nicht vollkommener Unsinn, allein schon weil sich dank des umfangreichen Archives ganz objektiv erkennen lässt, welche Unfallursachen in Köln dominieren. Augenschmerzen bereitet hingegen die Aufbereitung der Unfallmeldungen, denn allzu oft steht dort zwischen den Zeilen: Selber Schuld! Velo 2010 ist kein ehrliches Bündnis. Wäre Velo 2010 ehrlich, hieße es Auto 2010. Den Unfallberichten mangelt es an der Erfassung der eigentlichen Komplexität der Situationen. Es bringt nichts, sich neben den verwundeten Fahrbahnradler zu stellen, der wegen eines misslungenen Überholmanövers eines Kraftfahrzeugführers auf dem Asphalt liegt und mit dem Zeigefinger auf den Radweg zu zeigen, auf dem das angeblich alles nicht passiert wäre; denn schließlich sind nicht nur in Köln Radwege in der Regel nicht unbedingt ungefährlicher als das Radfahren auf der Fahrbahn. Das weiß der Gesetzgeber spätestens seit 1997, das weiß die Wissenschaft schon sehr viel länger und engagierte Radfahrer ohnehin schon immer, nur Velo 2010 weiß das noch nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass in den zehn goldenen Regeln die Benutzungspflicht zwar Erwähnung findet, aber keine weiteren Details preisgegeben werden, warum ein Radweg denn nicht benutzt werden muss — für viele Radfahrer gilt der Radweg nunmal als lebensrettendes Bollwerk gegenüber der lebensgefährlichen Fahrbahn, da wäre es angebracht gewesen, den Sachverhalt etwas zu verdeutlichen.

Auch ansonsten gibt die Homepage des Bündnisses nicht gerade viel her. Ein paar goldene Regeln, ein paar bauchpinselnde Worte über große Pläne und wie toll und wichtig das Radfahren ist, dafür aber seitenweise Unfallberichte und das in Massen. Nach einem ausführlichen Studium der Homepage bleibt im Kopf vor allem eines hängen: Radfahren in Köln muss ganz schön gefährlich sein, dass lassen wir mal lieber bleiben.

Velo 2010 trägt seinen Namen allerdings spätestens jetzt zu Unrecht, denn Fahrradvertreter finden sich in der Runde kaum noch. Die Studentenvertretung ist schon vor Ewigkeiten ausgetreten, die Mülheimer Fahrradgruppe ebenfalls, der ADFC hat seine Mitgliedschaft ausgesetzt, der VCD hat ebenfalls keine große Lust mehr. Anstatt Unfallstellen zu analysieren und gegebenenfalls umzubauen habe sich das Bündnis zu lange auf einen unentschlossenen Meinungsaustausch bei Kaffee und Kuchen beschränkt, der obendrein noch von der autofreundlichen Polizei dominiert worden sei.

Theoretisch mag man drüber traurig sein, denn wenigstens in der Theorie ist ein solches Bündnis zwischen den Institutionen keine schlechte Idee. Praktisch hingegen wird man Velo 2010 nicht allzu sehr vermissen.

Mehr dazu:

Radwegbenutzungspflichten in Brandenburg sollen fallen

Bei der Umsetzung von Verordnungen marschiert Brandenburg vorneweg: zwar immer noch mit 15 Jahren Verspätung, aber nachdem der Gesetzgeber 1997 forderte, benutzungspflichtige Fahrradwege nur noch in besonderen Gefahrenlagen zuzulassen, sollen 2012 die Brandenburger Radwege auf ebenjene Gefahrenlage überprüft werden: Brandenburg kippt Radwegpflicht Gerichtsurteil wird schrittweise umgesetzt

Radfahrer sollen in Dörfern und Städten nicht mehr auf Radwege gezwungen werden. „In Innerortslagen wird die Aufhebung der Benutzungspflicht spürbar ansteigen“, teilte Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) auf eine Anfrage der CDU mit. Bislang zwingen viele Gemeinden Radfahrer selbst auf schmale und baufällige Wege. Laut Straßenverkehrsordnung müssen Radwege nur benutzt werden, wenn sie mit einem blauen Schild „Radweg“ oder „Gemeinsamer Geh- und Radweg“ versehen sind. Wo keine Schilder stehen, haben Radler seit 1998 freie Wahl.

Die so genannte Leichtigkeit des Verkehres, mit der in der Regel gemeint ist, dass Autofahrer auf der Fahrbahn keinen Radfahrern begegnen sollen, darf künftig keine Rolle mehr spielen, es soll nur noch die tatsächliche Sicherheit berücksichtigt werden — und da sieht es auf den allermeisten Radwegen in der Regel ganz mau aus.

Ihre übliche Rolle spielt derweilen noch die Deutsche Verkehrswacht, die traditionell gegen den Radverkehr auf der Fahrbahn argumentiert und leider an Schulen und Kindergarten nicht nur die ständige Benutzung des Radweges empfiehlt, sondern sogar Gehwege für einen sicheren Ort zum Radfahren hält.

Kampfzone Journalismus

Warum müssen in diesem Jahr etwa 80 Prozent aller Artikel über Fahrradfahrer den Begriff „Kampf“ im Titel tragen, unabhängig davon, ob es um „Kampfradler“ oder „Kampfzonen“ geht?

Katharina Lehmann schreibt in der Berliner Morgenpost: Wenn die Straße zur Kampfzone wird

Häufigstes Fehlverhalten bei Radfahrern ist das Fahren auf der falschen Seite und die Ignoranz von Vorfahrtsregeln. Junge Männer riskieren dabei am meisten

Nun gut, es folgt die übliche Analyse der Statistiken, verziert mit den üblichen Zitaten. Nachdem die häufigsten Ursachen für Unfälle mit Fahrradbeteiligung erwähnt wurden, nämlich unaufmerksame, aber trotzdem abbiegende Kraftfahrzeugführer und Radfahrer, die entgegen der Fahrtrichtung unterwegs sind, geht’s dann aber doch lieber um die Radfahrer, denn dort scheint bekanntlich weder die Regelakzeptanz noch die Verkehrsmoral besonders repräsentiert zu sein.

Das geht allerdings in die falsche Richtung. Während Kraftfahrzeugführer in der Regel wissen, dass eine gelbe Ampel eigentlich nicht zum Gasgeben animieren sollte und „+20“ vom Gesetzgeber zwar bußgeldtechnisch toleriert werden, aber trotzdem nicht in Ordnung sind, ist Radfahrern ihr Fehlverhalten größtenteils unbekannt, sofern es nicht das Resultat einer bemühten Lösung eines Problemes darstellt, wenn etwa permanent auf dem Gehweg geradelt wird, um auf der radweglosen Straße dem vermeintlich gefährlichen Kraftfahrzeugverkehr zu meiden.

Es ist zwar richtig, wenn Bettina Cibulski vom ADFC meint, Verkehrserziehung müsse schon in der Grundschule beginnen, doch stellt sich gerade jene Verkehrserziehung teilweise als unzureichend dar, wenn es mitunter vor allem um helmbewehrte Melonen anstatt um das sichere Verhalten im Straßenverkehr geht. Selbst auf weiterführenden Schulen sieht sich die Schulleitung häufig außer Stande, einen vernünftigen Verkehrsunterricht zu organisieren und setzt eher auf Fahrradvergrämung und Abschreckung, wenn wieder der Melonentest zusammen mit freilich furchtbaren Aufnahmen des letzten Unfalles zwischen Fahrrad und Lastkraftwagen präsentiert wird. Man könnte wenigstens einen Teil der Zeit für vernünftige Erklärungen aufwenden, doch stattdessen werden sowohl Radwege als auch für den Notfall Gehwege als sichere Burg vor dem gefährlichen Kraftfahrzeugverkehr propagiert — und das vor Schülern, die teilweise zwei Jahre später ihre ersten Fahrstunden nehmen. Nicht einmal dieser Altersgruppe scheint man das sichere Radfahren zuzutrauen.

Und dann meint Cibulski:

Sie sieht einen Grund für die Verhaltensfehler der Fahrradfahrer auch darin, dass viele keinen Führerschein haben und somit nicht so eng mit den Verhaltensregeln im Straßenverkehr vertraut sind.

Huch? Nun gut, es mag sicherlich zutreffen, dass gerade die eben angesprochenen Grundschüler noch keine Fahrerlaubnis in der Tasche haben, aber ein wesentlicher Teil der älteren Radfahrer hat in der Regel schon einmal eine Fahrschule besucht. Genutzt hat es natürlich nicht: das Ziel des Fahrschulunterrichtes ist die Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge, die Fahrschüler zahlen nicht hunderte Euro, um mit Regeln für ein Verkehrsmittel konfrontiert zu werden, das nach der bestandenen praktischen Prüfung eigentlich für immer im Keller verschwinden soll. Tatsächlich wird in der Fahrschule das Fahrrad allenfalls erwähnt, weil es nicht überfahren werden soll — über Radwege und damit einhergehende Benutzungspflichten oder sonstige Besonderheiten, die maßgeblich für das Fehlverhalten der Radfahrer sind, wird dort nichts erwähnt.

Und wo ist nun die eingangs im Titel erwähnte Kampfzone?

Google Maps für Radfahrer

Auf Google Maps können seit kurzem auch Informationen für Radfahrer eingeblendet werden. Der Kartenservice differenziert dabei zwischen „Wegen“, „Radwegen“ und „geeigneten Straßen“, die über die Schaltfläche am oberen rechten Rand eingeblendet werden können. Die zusätzlichen Wege stammen dabei unter anderem vom ADFC, wobei sich Google noch nicht zu einer brauchbaren Navigation für Radfahrer hinreißen konnte: der Routenplaner kennt nach wie vor lediglich Kraftfahrzeuge und Fußgänger, wobei die für Radfahrer geeignete Route eher bei der Navigation für Fußgänger zu erwarten ist, sofern man nicht große Umwege in Kauf nehmen möchte.

So richtig brauchbar sind die eingeblendeten grünen Linien allerdings noch nicht. Der Wanderweg in Wedel, angeblich mit Fördermitteln für Radwege gebaut, tatsächlich allerdings mit reichlich Zeichen 254 verziert, dürfte wohl kaum ein Weg für Radfahrer sein, die Wedeler Landstraße etwas weiter nördlich ist selbst für hartgesottene Fahrbahnradler nicht unbedingt geeignet und gleich danach erkennt Google Maps die Sülldorfer Landstraße, die hier als Kraftfahrstraße für Radfahrer tabu ist, teilweise als geeigneten Weg, teilweise sogar als Weg für Radfahrer.

Mutmaßlich verlässt man sich als Radfahrer bei Google Maps auch künftig auf die Route für Fußgänger — und die eigene Erfahrung.

Scheel: „Es gibt keinen Krieg auf der Straße“

Es gibt viele Zeitungsartikel zum so genannten Krieg auf der Straße und bei den allermeisten kann man sich die Lektüre sparen, ohne etwas zu verpassen. Claudius Prösser und Bert Schulz sprachen für die taz mit ADFC-Chefin Eva-Maria Scheel: „Es gibt keinen Krieg auf der Straße“

Weniger Aggression und mehr Miteinander im Straßenverkehr wünscht sich die neue ADFC-Vorsitzende Eva-Maria Scheel. Sie gibt aber zu: Man muss ein sicherer Radfahrer sein in Berlin.

Einer der wenigen gelungenen Texte und vermutlich mit das erste sinnvolle Interview zu diesem Thema: es bringt nichts, als Bundesverkehrsminister die einzelnen Verkehrsteilnehmer über mangelnde Kenntnis und populistische Bezeichnungen gegeneinander auszuspielen, um sich vernünftige Lösungsansätze zu sparen — unbedingt lesenswert!